Ein besonderes Geburtstagsgeschenk für Palucca entstand am 8. Januar 2010: die gesamte Hochschule – von den Nachwuchsförderklassen bis zum Hauptstudium – erarbeiteten in sechs Gruppen innerhalb von drei Stunden eine 30minütige Szenenfolge. Sie wurde nach nur einer Probe am Nachmittag im „Grünen Saal“ von den ca. 180 Beteiligten öffentlich vorgeführt. Ein organisatorischer, vor allem aber kreativer Kraftakt…
Dabei blieb der Ausgangspunkt – ein kurzes Notat Paluccas mit dem Titel „Tanzabstraktion“ aus dem Jahr 1923 – zunächst geheim. „Eingeweiht“ waren nur die Leiter des Projektes: Studierende des Studienganges Choreografie, die sich in diesem Semester intensiv mit dem Thema Rekonstruktion befassen. Das führte u. a. zu einer Beschäftigung mit Palucca und der politischen und künstlerischen Situation der 1920er Jahren. Ausgehend von den Hinweisen auf Bewegung und Klang des Palucca-Textes diskutierten und erprobten sie unter Leitung von Professor Biondi in Zusammenarbeit mit dem Musiker Friedemann Stolte ganz verschiedene dramaturgische, tänzerische und klangliche Möglichkeiten des Palucca-Textes.
Es ging also nicht darum, „wie Palucca“ zu tanzen, sondern ihre choreografischen Ideen als Ausgangspunkt für heutige Bewegungs- und Klangimprovisationen zu nutzen. Dabei waren Qualitäten gefragt, die für Palucca typisch waren: Improvisation und Individualität – auch in der Gemeinschaft. Oder, in Paluccas Worten: Fantasie, Konzentration, Intensität, Präzision und Disziplin.
Angela Rannow