Forschung

InnoLernenTanz

Entwicklung und Implementierung innovativer Lehr- und Lernstrategien für ein zeitgemäßes, praxisorientiertes Studium im Tanz

Das Projekt InnoLernenTanz (ILT) an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden war ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Qualitätspakt Lehre finanziertes Forschungsprojekt und wurde von 2012 bis 2016 durchgeführt. Ziel von InnoLernenTanz war es, ausgewählte Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln, die besonders das individuelle Lern- und Entwicklungsbedürfnis von TänzerInnen fokussieren. Zwei lehr-lernmethodische Forschungsbereiche standen dabei im Vordergrund: Coaching und Somatik. Darüber hinaus wurden im Rahmen des Forschungsprojektes weitere Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der Ausbildungsbedingungen durchgeführt und teilweise bereits implementiert.

Die genannten lehr-lernmethodischen Forschungsbereiche gehen von der weitgehenden Dominanz gruppenorientierter Lehr-Lern-Angebote aus und nutzen dabei unterschiedliche Perspektiven: Coaching setzt den Fokus auf konzeptuell getragene Individualisierung von Feedback, während Somatik auf gezielte Förderung von Reflexion, Selbststeuerung und Veranwortungsübernahme im Rahmen von Lernprozessen im Gruppenkontext zielt.

„Individuelles Coaching im Gruppenunterricht im Tanz“ (Coaching):
In diesem Forschungs- und Entwicklungsbereich ging es um ein Coaching-Konzept, das auf längere Unterrichtssequenzen angelegt ist und in dessen Rahmen hoch individualisiertes, auf ein Kategoriensystem gestütztes Feedback an die einzelnen TänzerInnen gegeben wird.

„Somatisch orientierte Lehr-Lern-Forschung in der Tanzausbildung“ (Somatik):
In diesem Forschungs- und Entwicklungsbereich ging es darum, auf der Basis explorativ ausgerichteten Bewegungsverstehens, gezielt die Entwicklungsprozesse der Studierenden in Richtung persönliche Handlungsmacht und Selbstreflexion zu unterstützen.

 

Weitere Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der Ausbildungsbedingungen waren unter anderem:

  • Analyse der derzeitigen Lehr- und Lernmethoden an der Palucca Hochschulefür Tanz Dresden
  • Optimierung der Kommunikation zwischen Lehrpersonal und Studierenden
  • Schaffen didaktischer und unterrichtsmethodischer Strukturen, die gezielt eine reflektierende, kritisch-konstruktive Kommunikation fördern
  • Entwicklung und Implementierung von Evaluationsmethoden zur Qualitätskontrolle
  • Regelmäßig Workshops und Seminäre für Studierende mit renommierten Gastkünstlern und Wissenschaftlern
  • Interdisziplinäre Kooperationen mit anderen Hochschulen und Projekten
  • Weiterbildung des Hochschulpersonals

 

Im Ergebnis fünfjähriger, intensiver Forschungsarbeit entstanden zwei Publikationen, die Erkenntnisse aus den beiden Forschungsbereichen Somatik und Coaching zugänglich machen:

Jenny Coogan, Forschungsleiterin des Forschungsbereiches Somatik, widmet sich in Tanz praktizieren – ein somatisch orientierter Ansatz der Frage, wie TänzerInnen dazu ermutigt werden können, ihre Ausbildung nicht nur aus der Erste-Person-Perspektive sondern auch vom Standpunkt einer somatischen Authorität heraus zu erfahren. Das Buch gibt Einblick in Ergebnisse und Erkenntnisse aus der empirischen Forschung, versammelt künstlerische und pädagogische Stellungnahmen von GastautorInnen und enthält Vorschläge für die Unterrichtspraxis, die Synergien zeigen, die zwischen dem zeitgenössischen Tanz und der Feldenkrais-Methode wirken. Die unterschiedlichen Sichtweisen, die das Buch bietet, laden zu kritischer Reflexion über Methoden ein, die junge TanzkünstlerInnen bestmöglich auf die aktuellen Herausforderungen einer professionellen Karriere im 21. Jahrhundert vorbereiten können.

Jenny Coogan (Hg.), Tanz praktizieren- ein somatisch orientierter Ansatz, Logos Verlag Berlin, ISBN 978-3-8325- 4212-2

 

José Biondi, Forschungsleiter des Forschungsbereiches Coaching, widmet sich der Frage, welches Lehrformat im Gruppenunterricht im Tanz die individuelle Entwicklung der Studierenden noch besser unterstützen kann. Auf der Grundlage eines eigens entwickelten Kategoriensystems verbindet er individuelles Coaching und interaktives Feedback zu einer Lehrweise, die die Studierenden zu einem kritisch-reflexiven Umgang mit den eigenen Entwicklungsmöglichkeiten motiviert.
Das iCiF-Modell. Individuelles Coaching und interaktives Feedback in der Tanzausbildung stellt Entwicklung, Grundlagen und Evaluation des Coaching-Modells dar und ermöglicht mit Vorlagen für Arbeitsblätter die sofortige Anwendung des iCiF-Modells im Tanzunterricht.

José Biondi (Hg.), Das iCiF-Modell. Individuelles Coaching und interaktives Feedback in der Tanzausbildung, Logos Verlag Berlin, ISBN 978-3-8325-4219-1

 

 

Weitere Informationen

Website InnoLernenTanz

Blog: Tanz trifft Wissenschaft

Was passiert, wenn Tänzer und Wissenschaftler zusammenkommen, um gemeinsam ein Forschungsprojekt zu entwickeln? Wie profitieren beide Seiten voneinander? Mit welchen Schwierigkeiten werden sie konfrontiert?

Per Blog begleitet tamed, Tanzmedizin Deutschland,  ein Forschungsprojekt, in dem Tanzprofessoren der Palucca Hochschule für Tanz Dresden und Wissenschaftler der Universität Bielefeld gemeinsam ein Experiment entwickelt haben, um „Bewegungslernen im Tanz“ genauer zu untersuchen. Der Blog berichtet vom Verlauf des Projektes und gibt Einblicke in die Besonderheiten der Zusammenarbeit.

http://www.blog.tanzmedizin.com